1. Aufgaben und Funktionen eines Chromatographie-Datensystems
Im Gegensatz zu "einfachen"
Verfahren wie fotometrischen Bestimmungen oder Gravimetrie erhält
man bei chromatographischen Verfahren zunächst eine Kurve, in
denen die Mengen/Konzentrationen der einzelnen Komponenten in
Zusammenhang mit der Fläche (oder Höhe) der - mehr oder weniger
gaussförmigen - Peaks gesetzt werden können (Bild 1).

Neben den "klassischen"
Chromatographie-Verfahren wie HPLC (Hochdruck-Flüssigkeitschromatographie)
und GC (Gaschromatographie) liefern auch die Dünnschichtchromatographie
(nach Einscannen der DC-Träger) und die GPC (Gelpermeationschromatographie)
Peaks dieser Art, die daher auf ähnliche Weise ausgewertet
werden können. Dasselbe gilt im übrigen auch für die "normale"
Elektrophorese und die Kapillarelektrophorese, wenngleich hier
noch zusätzliche Details interessieren (z.B. Molgewicht).
Die komplette Vorgangsweise bei der
Analyse einer unbekannten Probe mit chromatographischen Verfahren
läuft meist wie in Bild 2 ab:
- Datenerfassung / Aufzeichnung (liefert die Originalkurve, die als
"Rohdaten" gespeichert werden muss)
- Peakerkennung und Integration (Suchen von Peaks mit entsprechenden
mathematischen Verfahren und Berechnung von Peakhöhe, -fläche,
Retentionszeit bzw. Laufstrecke am Maximum, Peakbreite
etc.)
- Zuweisung von Komponenten zu den einzelnen Peaks, meist anhand
der Retentionszeit / Laufstrecke
- Berechnung der Konzentration / Menge (Quantifizierung) der
einzelnen Komponenten mit Hilfe einer
Kalibrationsfunktion, die durch vorhergehende Analyse von
Standardlösungen mit bekannten Konzentrationen erstellt
wurde
- Ausgabe der Resultate

Während am Anfang vorwiegend die Chromatogrammsignale mit
analogen Schreibern aufgezeichnet wurden und die quantitative
Berechnung durch Abmessen der Peakhöhe bzw. Auszählen der
Quadrate auf Millimeterpapier (zur Bestimmung der Peakfläche)
vorgenommen wurde, waren später eigene Messgeräte ("Integratoren")
verfügbar, die die Datenaufzeichnung und Auswertung automatisch
durchführen können und das Ergebnis ausdrucken.
Leider existieren bei praktischen Chromatographie-Anwendungen
vielfältige
Fehlermöglichkeiten in der Auswertung, die eine
vollautomatische Berechnung - ohne die Resultate optisch zu
kontrollieren - sehr problematisch machen. Beispiele dafür wären:
- Falsche Zuordnung der Peaks zu den gesuchten Komponenten
(z.B. wegen abnehmender Trennleistung der Säule und
damit sinkenden Retentionszeiten)
- Falsche Berechnung der Peakhöhe oder -fläche aufgrund
von überlagerten Peaks (Bild 3): Die Überlagerung
zweier Peaks (links, in grau dargestellt) kann leider aus
dem Summensignal (blau) nicht mehr rückgerechnet werden,
da die Kurvenform in der Praxis mehr oder weniger stark
von der idealen Gausskurve abweicht; aus diesem Grund
wird üblicherweise eine Peaktrennung durch "Fällen
des Lotes" am tiefsten Punkt zwischen den beiden
Peaks vorgenommen (rechts). dass dieses Verfahren - wie
auch das bei "Aufsitzerpeaks" oft eingesetzte
"Tangent Skimming" - zu verfälschen
Ergebnissen führen kann, ist optisch leicht einzusehen.
Dazu kommt noch die Schwierigkeit, Peakanfang und -ende
genau zu bestimmen, wenn die Basislinien nicht völlig
gerade verläuft.

Aus diesem Grund haben sich Chromatographie-Datensysteme auf
PC-Basis relativ schnell gegenüber Integratoren durchgesetzt, da
sich die Auswertung komfortabel am Bildschirm kontrollieren lässt.
Weitere Vorteile sind:
- Nahezu unbegrenzter Speicherplatz, um früher
aufgenommene Chromatogramme elektronisch als Rohdaten zu
speichern (u.a. von GLP verlangt !)
- Die Möglichkeit, Chromatogrammkurven und Ergebnisse in
andere Programme zu exportieren (z.B. Weiterberechnung
mit Microsoft Excel oder Berichterstellung mit
Textverarbeitungssoftware).
